Bist du dir selbst der beste Freund?

Diese Frage klingt zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich. Doch wenn du ehrlich bist: Bist du dir selbst der beste Freund? Oder gehst du mit dir selbst oft viel strenger um als mit anderen Menschen?
Wenn ein guter Freund einen Fehler macht, zweifelt oder gerade eine schwierige Phase durchlebt, reagieren wir meist mit Verständnis, Mitgefühl und Unterstützung. Wir hören zu, zeigen Verständnis, machen Mut und bauen ihn auf.
Doch wie sieht es aus, wenn wir selbst betroffen sind? Wie redest du dann mit dir selbst?
Mit uns sind wir meistens viel strenger und häufig übernimmt dann der innere Kritiker das Kommando. Statt Verständnis folgen Selbstzweifel, Vorwürfe und Massregelung.

Wenn der innere Kritiker das Kommando übernimmt

Viele Menschen gehen mit sich selbst deutlich strenger um als mit anderen. Hohe Erwartungen, Leistungsdruck oder der Wunsch, alles richtig machen zu wollen, führen dazu, dass wir unsere Aufmerksamkeit vor allem auf Fehler und Schwächen richten.
Unser innerer Kritiker kann dabei erstaunlich selektiv sein. Zehn Dinge laufen gut – und wir beschäftigen uns mit dem einen, das nicht funktioniert hat. Wir erhalten neun positive Rückmeldungen und eine kritische – und genau diese beschäftigt uns den ganzen Abend.
Ein kleines negatives Detail bekommt plötzlich eine übermässige Bedeutung. Und irgendwann wird aus dem Gedanken „Da ist mir etwas nicht gelungen“ die Überzeugung „Ich bin nicht gut genug.“
Das Schwierige daran: Wenn wir bestimmte Gedanken immer wieder denken, beginnen wir irgendwann, sie für die Wahrheit zu halten.

Du bist nicht alles, was du denkst

Viele unserer Gedanken entstehen nicht bewusst. Sie sind das Ergebnis von Erfahrungen, Erwartungen, Gewohnheiten und Überzeugungen, die wir teilweise schon sehr lange mit uns herumtragen. Gedanken, die wir immer wieder denken, werden irgendwann zu Automatismen.

Das bedeutet aber auch: Nicht jeder Gedanke, der in deinem Kopf auftaucht, verdient es, dass du ihm glaubst.
Manchmal lohnt es sich deshalb, den eigenen Gedanken einen Moment lang zuzuhören – so, als würde jemand anderes sie aussprechen. Würdest du so mit einem guten Freund reden? Wenn nicht: Warum redest du so mit dir selbst?

Viktor Frankl, österreichischer Neurologe, Psychiater und Holocaust-Überlebender, soll einmal gesagt haben: „Ich muss mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen.“
Ich mag diesen Gedanken. Denn Freundschaft mit sich selbst bedeutet nicht, alles an sich grossartig finden zu müssen. Es bedeutet auch nicht, keine Fehler mehr zu sehen oder sich nicht weiterentwickeln zu wollen. Es bedeutet vielmehr, bewusst zu entscheiden, wie ich mit mir umgehe.

Positives Denken heisst nicht, sich etwas schönzureden

Positives Denken bedeutet nicht, immer gut gelaunt zu sein oder mit einer rosaroten Brille durchs Leben zu laufen. Schwieriges darf auch schwierig sein. Enttäuschung und Wut gehören genauso zum Leben wie Freude und Zuversicht. Läuft etwas gerade überhaupt nicht so, wie ich es mir wünsche, muss ich mir deshalb nicht einreden, dass alles wunderbar ist.

Sich etwas vorzumachen oder Unangenehmes zu verdrängen, hat für mich wenig mit positivem Denken zu tun. Im Gegenteil: Wenn wir versuchen, etwas mit positiven Gedanken zu überdecken, was eigentlich gesehen werden möchte, machen wir es uns oft noch schwerer.

Akzeptanz bedeutet zuerst einmal anzuerkennen, was gerade ist.
Nicht: So soll es für immer bleiben. Sondern: Das ist im Moment meine Realität.
Denn solange ich gegen das kämpfe, was bereits da ist, fliesst ein grosser Teil meiner Energie in diesen Widerstand. Wenn ich akzeptiere, was gerade ist, kann ich meine Energie wieder darauf richten, was ich damit machen möchte.

Worauf richtest du deinen Blick?

Wir können nicht kontrollieren, was uns im Leben begegnet. Andere Menschen verhalten sich nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Pläne funktionieren nicht. Beziehungen verändern sich. Im Beruf läuft nicht alles rund. Manchmal kommt das Leben einfach dazwischen.

Aber wir haben zumindest einen gewissen Einfluss darauf, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und welche Bedeutung wir den Dingen geben.

Ich kann mich immer wieder mit dem beschäftigen, was fehlt, nicht funktioniert oder nicht gut genug ist. Oder ich kann bewusst auch wahrnehmen, was bereits da ist.

  • Was ist mir heute gelungen?
  • Was hat mir Freude gemacht?
  • Wer hat mir gutgetan?
  • Was habe ich heute für mich getan?
  • Wofür bin ich dankbar?

Das verändert nicht automatisch die äusseren Umstände. Aber es verändert nach und nach unseren Blick auf unser Leben – und auf uns selbst.

Eine kleine Übung mit grosser Wirkung

Eine Übung, die ich selbst immer wieder anwende, möchte ich gerne mit dir teilen. Sie ist einfach, braucht nur wenige Minuten und hat meine Sichtweise auf viele Dinge verändert.
Wenn ich abends im Bett liege, gehe ich jeden Finger meiner beiden Hände durch und suche für jeden Finger nach einem positiven Erlebnis des Tages. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: ein schönes Gespräch, ein Spaziergang in der Natur, ein gutes Essen, ein herzliches Lachen oder einfach ein ruhiger Moment nur für mich.
Gerade an schwierigen Tagen fällt mir diese Übung nicht immer leicht. Doch genau darin liegt ihr Wert. Sie hilft mir, meinen Blick bewusst auf das zu richten, was bereits da ist, anstatt mich ausschliesslich auf das zu konzentrieren, was nicht funktioniert hat.
Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass sich dadurch meine Denkweise verändert hat. Ich nehme die kleinen, schönen Momente im Alltag bewusster wahr – und genau diese Momente machen das Leben oft so wertvoll.

Freundschaft mit dir selbst beginnt mit Kennenlernen

Eine gute Freundschaft entsteht, wenn wir unser Gegenüber wirklich kennenlernen. Warum sollte das bei uns selbst anders sein?

Wer die eigenen Bedürfnisse, Stärken und Verhaltensmuster besser versteht, entwickelt oft auch mehr Verständnis, Akzeptanz und Vertrauen für sich selbst. Sich selbst der beste Freund zu sein, bedeutet deshalb vielleicht nicht, sich ständig verändern oder verbessern zu müssen, sondern sich selbst mit Neugier zu begegnen und herauszufinden, was wirklich zu einem passt.

Genau dabei können Human Design, Kinesiologie oder Coaching wertvolle Impulse geben: Sie eröffnen unterschiedliche Zugänge, um sich selbst besser zu verstehen, eigene Muster zu erkennen und den persönlichen Weg bewusster zu gestalten.

Wenn du dich auf diese Entdeckungsreise zu dir selbst machen möchtest, begleite ich dich gerne ein Stück auf deinem Weg. Mehr über meine Wegbegleitung und die verschiedenen Möglichkeiten erfährst du hier – oder du kontaktierst mich ganz unkompliziert per E-Mail oder Telefon unter 076 403 00 75.


Bis zum nächsten Mal und herzliche Grüsse,

Claudia Alban